Mein Orient

Ich liebe die Farben des Orients, das bunte Leben, die Vielfalt, all die verschiedenen Kulturen, die gemeinsam dieses bunte Mosaik ergeben.
Ich schätze die höflichen Umgangsformen, die Weisheit und Würde der alten Menschen und den Respekt, der ihnen entgegengebracht wird, die Freude der Kinder an den einfachen Dingen, die Höflichkeit, die der arabischen Sprache innewohnt, und den achtsamen Umgang miteinander.
Ich liebe den Ruf des Muezzin und die Glocken der alten Kirchen, die intensiven Gerüche, die Düfte, die Lichtspiele in der uralten Landschaft.
Ich liebe die Vorstellungen über das Leben einst, als die Berge des Libanon und Palästinas noch bewaldet waren, als Bagdad und Damaskus in voller kultureller Blüte standen, als der Nil sich über das Land ergoss, und die Karawanen gelassen durch die arabischen und nordafrikanischen Wüsten zogen. 

Wie viel gäbe es zu lernen von den weisen Alten, den Frauen, den Männern, den Kindern,... welch ein Maß an Achtung verdiente diese Jahrtausende alte Kultur, auch Wiege der europäischen Kultur... 

Olivenbaum (Olea europaea), Echter Ölbaum  

Mein Vater stammt aus Palästina, dem Land der uralten Olivenbäume, auf Arabisch Filastin. Seit ich denken kann, wollte ich die arabische Sprache lernen. In meiner frühen Kindheit hörte ich sie von meinem Vater und seinen palästinensischen Freunden, daneben prägte sich die wunderbare Stimme der libanesischen Sängerin Fairuz in mein Gedächtnis und damit in mein Herz. Mit vierzehn begann ich schließlich Arabisch zu lernen und wählte auch als Hauptstudienfach Arabisch, neben Französisch, dessen Elégance ich auch immer schon bewundert habe.

Im Laufe der Zeit bereiste ich viele arabische Länder, allen voran Tunesien, wo ich viele Sommer mit Sprachstudien verbrachte, gefolgt von Jordanien, wo mein Vater und ein großer Teil meiner Familie lange Zeit lebten, bis ihnen der größte Traum erfüllt wurde, wieder in ihre Heimat nach Palästina zurückzukehren. Vor einigen Jahren, 1999 betrat ich zum ersten Mal den Boden meiner Ahnen. Es war eines der schönsten Erlebnisse meines Lebens. Wann es das nächste Mal möglich sein wird, ist ungewiss...

Marokko faszinierte mich mit seinen mittelalterlichen Städten und seiner zum Teil schon afrikanischen Kultur. In Syrien, wo ich einen Sommer lang Arabisch studierte und bei einer syrischen Familie lebte, beeindruckte mich das Nebeneinander der verschiedensten christlichen und islamischen Religionsrichtungen, und ganz besonders prägten sich die alten geschichtsträchtigen Mauern der Medina von Damaskus und Aleppo ein.

Als ich das erste Mal in Ägypten war, kicherten die Leute, als sie mein Arabisch hörten, da es eine Mischung aus Hocharabisch und den Dialekten all der aufgezählten Länder plus Irakisch ist, das ich von Kurden und Irakern gelernt habe. In den Gassen von Constantine, dem antiken Cirta in Ostalgerien, das als Weltkulturerbe stolz von seinen Felsen in die Weite blickt, ahnt man in den engen Gassen gar nicht, wie tief sich die Schlucht hinter den Hausmauern auf tut. Und der Gang über die grazilen Brücken, die über die Schlucht führen, lässt das Herz bis zum Hals schlagen!

Bei all diesen Reisen stieß ich auch immer wieder auf den Tanz in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen, ob bei einer Beschneidungsfeier in Kairouan/Tunesien, oder bei einem Dikr neben der Omayadenmoschee in Damaskus, bei einem ägyptischen Tannura-Tänzer auf der Zitadelle von Aleppo/Syrien und in Kairo oder auf den Orientalischen Tanz bei Hochzeiten und Verlobungen in Amman, Tunis, Fez oder Kairo. In Palästina tanzte ich mit meinen Schwestern, Cousinen und Tanten.

Die Liebe zur arabischen Sprache, der Kultur und dem Tanz ziehen sich wie ein rotes Band durch mein Leben, und der Orientalische Tanz ist für mich ein treuer Begleiter, ein Lebenselixier, ja, er ist es, der mich hier im Westen mit meinen arabischen Wurzeln verbindet, in ihm drückt sich - getragen von der wunderbaren Musik - der arabische Teil meiner Seele aus.